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Die Vielseitigkeit des Instruments

Ein Bericht des Südkuriers vom 14.04.2012:

Akkordeon und Ziehharmonika werden unterschätzt. Erfahren Sie mehr über die Instrumente, für die moderne Komponisten schreiben.

Einige Jahre lang dachte man, dass dem Akkordeon die Puste ausgeht. In den 70er Jahren wollten immer weniger Kinder mit dem Rollkoffer in den Musikunterricht, um dort Harmonika zu lernen. Vielen war es peinlich. Selbst einen renommierten Hersteller wie Hohner befielen Zweifel. In der Eile wurde ein Programm für E-Orgeln aufgelegt, später für Keyboards, um die japanische Konkurrenz in Schach zu halten. Hohner hat seine Elektronik-Sünden bereut und das Programm längst gestoppt. Während die alten E-Orgeln und ihre braunen Furniere verstauben, werden Akkordeons noch immer produziert. Sie überlebten. Der vermeintliche Saurier war stärker als die fiepsenden Produkte an der Steckdose.
Trotz des Erfolgs gilt: Das Akkordeon hat es schwer in Deutschland. Zwar spielen in Bayern viele Lederhosen- Bands einen Stil zwischen Polka, Walzer und folklorisiertem Foxtrott. Auch für Shanty-Chöre ist das Schifferklavier unverzichtbar. Doch war das Gerät mit den vielen Knöpfen und dem flüsternden Blasebalg schon besser hörbar. Das zeigt ein Vergleich mit den Nachbarn. In der Schweiz zählt das Handörgeli zum klassischen Inventar, das nie aus der Mode gekommen ist. In Österreich setzen es auch moderne Gruppen ein. Es fehlt in den Arrangements von Wolfgang Ambros wenig wie bei Otto Lechner oder den „Schürzenjägern“. Oder Frankreich: Für Chanson und Musette (im Dreivierteltakt) ist die Harmonika so etwas wie Pflicht. Sie verleihen den Stücken den melancholischen Glanz, der zu einem Markenzeichen des Landes geworden ist.
Diese gesunde Verankerung im Musikleben fehlt dem Gerät mit den vielen Tasten und Knöpfen inzwischen. Der alles überwuchernde Einfluss der Popmusik ist stärker. Dafür hat sich das Akkordeon in einer starken Nische eingerichtet, in der es ein vitales Eigenleben führt.

Hans Josef Maier steht für die Kraft des Akkordeons. Der gebürtige Bayer drängte schon als Sechsjähriger in den Unterricht, weil sein Onkel auch spielte. Doch erst zwei Jahre später ließen ihn die Eltern ziehen. Heute arbeitet der 35-jährige als Professor für dieses Instrument. Er unterrichtet in Trossingen – jener Stadt, die durch den Bau dieser Instrumente erst bekannt wurde und zu den wenigen gehört, an denen das Akkordeon akademisch gelehrt wird (die anderen sind Weimar, Bremen, Essen und Freiburg). Maier bildet die Musiklehrer und Solisten von morgen aus – und weiß bestens Bescheid um die Möglichkeiten, die in dem unförmigen Möbel stecken.

„Lange Zeit wurde halb vergessen, wie viel Literatur darauf gespielt werden kann“, sagt der jugendliche Professor. Als Profi spielt er nicht Walzer und Polka, sondern äußerst schwierige und technisch anspruchsvolle Literatur. Das meiste sind Bearbeitungen, die von Akkordeonisten im Lauf der Jahre an Land gezogen wurden. Das heißt: Kompositionen, die im Original für Klavier komponiert wurden oder für ein Orchester oder für eine Band, werden für die Harmonika eingerichtet. Ein guter Spieler kann komplexe Werke darstellen – von Johann Sebastian Bachs Toccata in d-Moll bis zum Soundtrack vom „Fluch der Karibik“. Dabei kommt dem Spieler die Ausrüstung der Harmonika zugute: Er kann links Bass und Begleitung anstimmen und rechts die Melodie. Den Rhythmus kann er beidseits platzieren. Mit seinem Instrument spielt Hans Maier auch links ganze Melodiebögen („Melodiebass- Instrument“).

Von Tonumfang (weit über fünf Oktaven) und Stimmenvielfalt hat das Akkordeon nur zwei ernsthafte Konkurrenten: Klavier und Orgel. Entsprechend sind seine Qualitäten: Es dient als Einmann-Orchester, zur Begleitung oder für Solos. Es verbreitet gute Stimmung in der Schunkelrunde – und wird vielleicht deshalb unterschätzt. Professor Maier versteht das nicht ganz, er sagt: „Ich übe täglich. Es gibt eine Fülle von neuen Werken, die ich studiere.“ Immer mehr moderne Komponisten schreiben für das Instrument, weil sie dessen Vielfalt erst entdecken. Und weil ihnen der „atmende Klang“ gut gefällt. Hans Maier kann sich ein Leben ohne den bis zu 18 Kilogramm schweren Kasten nicht vorstellen. Im Gespräch mit dieser Zeitung sprudelt er von den Ursprüngen der Harmonika in der japanischen Gagako-Musik und von durchschlagenden Zungen, die den Klang erzeugen. Und von einer guten Körperspannung als Voraussetzung – sonst zieht auch das beste Akkordeon ins Kreuz. Um dessen Zukunft ist ihm jedenfalls nicht bang, schließlich wird er noch viele Jahre unterrichten.

Quelle: www.suedkurier.de, 14.04.2012

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